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Maßnahmen bei Ameisenbefall / Tapinoma magnum

Maßnahmen bei Ameisenbefall / Tapinoma magnum

Maßnahmen bei Ameisenbefall

Ameisen sind klein und werden häufig übersehen, doch sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie tragen Pflanzensamen weiter, tragen zur Durchmischung des Bodens bei und bauen organisches Material ab. Seit einigen Jahren macht sich jedoch eine ursprünglich aus Afrika stammende Art bei uns breit, die sich durch sogenannte Superkolonien auszeichnet. Eingeschleppt wird sie meist durch die Wurzelballen importierter Pflanzen aus Südeuropa. Die Große Drüsenameise „Tapinoma magnum“ bildet ein weitverzweigtes Netzwerk von Nestern einer Kolonie, das aus Hunderttausenden bis Millionen von Arbeiterinnen und fortpflanzungsfähigen Königinnen besteht. Sie lässt sich dadurch nur schwer bekämpfen. Eine vollständige Ausrottung ist nach derzeitigem Kenntnisstand so gut wie unmöglich. Daher wird seit Anfang dieses Jahres deren Ausbreitung und Verhalten im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe erforscht. Diese Ameisenart stellt keine direkte Bedrohung dar, kann aber durch ihre unterirdischen Aktivitäten markante Schäden an der Infrastruktur anrichten.

In der Stadt Nürtingen hat das Naturkundemuseum Stuttgart das Vorkommen dieser Ameisenart bestätigt. Die Verwaltung beobachtet das betroffene Gebiet nun genau und hat mit der Bekämpfung im Straßenraum im Juni 2026 durch eine beauftragte lizenzierte Schädlingsbekämpfungsfirma in der Kirchheimer Vorstadt begonnen. Sollten Bürgerinnen und Bürger den Verdacht hegen, dass sich diese Art auch in ihrem Umfeld angesiedelt hat, so können sie zur genauen Bestimmung die vom Naturkundemuseum Stuttgart auf dessen Homepage aufgeführten Merkmale heranziehen. 

Ist ein Fund durch das Erfüllen dieser Merkmale bestätigt, so bittet die Stadt um eine entsprechende Nachricht (telefonisch: 75-423 oder Mail an Frau Franz: m.franz(@)nuertingen.de), damit die Standorte kartografiert, kontrolliert und situationsbedingt koordinierte Maßnahmen ergriffen werden können, denn die Ameisen sind flexibel und weichen bei Bedrohung in kurzer Zeit auf benachbartes Gebiet aus.

Handlungsempfehlungen

Da die Superkolonien aufgrund ihrer Größe und Struktur so gut wie nicht vollständig eliminiert werden kann, liegt der Fokus darauf, die Ausbreitung einzudämmen. Hierzu gibt es eine Reihe von Mitteln, die mehr oder weniger stark wirken. 

Von einem Abflammen wird in jedem Fall abgeraten, da die Nester, die sich in bis zu einem Meter Tiefe befinden, nicht erreicht werden und dadurch ungewollt Brände ausgelöst werden können. 

Heißes Wasser

Im öffentlichen Raum kommt in anderen Kommunen häufig heißes Wasser zum Einsatz. Über eine spezielle Lanze wird das Wasser möglichst tief in das Erdreich eingespritzt. Feine Düsen sorgen zudem für einen seitlichen Wasseraustritt, der die weitverzweigten Gänge zerstören und die Brutstätten nachhaltig schädigen soll, um den Bestand einzudämmen. Auf Privatgelände wird dieses Verfahren bei leicht zugänglichen Nestern ebenfalls empfohlen.

Essig, Gewürze und Duftstoffe

Mit Essigwasser (Verhältnis 1:1) kann zeitweise die Pheromonspur von Ameisen gestört werden. Ähnlich wie bei Duftstoffen wie z. B. duftenden Kräutern (Lavendel, Thymian), Gewürzen (Chili, Zimt), Kaffeesatz und ätherischen Ölen werden die Ameisen hiermit jedoch nicht abgetötet, sondern im besten Fall vertrieben.

Natron

Ameisen meiden Natron. Mit Puderzucker vermischt (im Verhältnis 1:1) kann es als Köderfalle eingesetzt werden. Diese Methode schadet lediglich den Ameisen-Arbeiterinnen, nicht aber deren Königinnen.

Frei verkäufliche Mittel gegen Ameisenbefall

Die verfügbaren Pestizide können bei falscher Anwendung gesundheitsschädlich sein und die Umwelt stark belasten. Im Privateinsatz können auch damit bereits etablierte Super-Kolonien nicht vollständig besteitigt werden. Im Außenbereich können damit auch zahlreiche nützliche Insektenarten geschädigt und Grundwasser verunreinigt werden. Deren Einsatz wird daher nicht empfohlen und sollte nur im Zusammenhang mit der Beauftragung einer Schädlingsbekämpfungsfirma erfolgen.

Kieselgur

Kieselgur ist ein natürlicher Wirkstoff aus versteinerten Kieselalgen und entzieht den Insekten die Feuchtigkeit, sodass sie austrocknen. Kieselgur muss trocken gelagert und gestreut werden. Das Mittel empfiehlt sich insbesondere in Räumen und überdachten Bereichen. Kieselgur erhalten Sie in z.B. Geschäften für Heimtierbedarf. Beim Ausbringen von Kieselgur sind die Angaben des Herstellers zu beachten.

Abstimmung in der Nachbarschaft

Die Bekämpfung der Art Tapinoma magnum stellt eine Gemeinschaftsaufgabe dar, da deren Kolonien sehr groß sein können und diese Ameisen flexibel auf Bedrohung reagieren. So können sie ihre Zugänge innerhalb von wenigen Stunden verlagern. Ist die Art auf Privatgelände nachgewiesen worden, so ist es daher ratsam, sich mit den Nachbarn auszutauschen und bei den Maßnahmen zur Eindämmung abzustimmen. Nach einem erfolgten Nachweis bitten wir um Meldung an die Stadt (s.o.), damit dort die Fundorte kartografiert und im Falle von Schäden im öffentlichen Raum entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden können. 

Vorbeugende Maßnahmen

  • Tapinoma magnum wurde bereits vor vielen Jahren eingeschleppt. Die Ausbreitung erfolgt häufig über importierte Pflanzen, in deren Wurzelballen sich abgelegte Eier oder die Tiere selbst befinden. Achten Sie daher vor dem Kauf einer Pflanze auf den Topf und Wurzelballen.
  • Entfernen Sie regelmäßig Laub und Unkraut an Weges- und Grundstücksgrenzen, um Ameisenstraßen oder deren Aushub frühzeitig erkennen zu können.

Weitere Maßnahmen

  • Da sich diese Ameisenart auch wie unsere heimischen Ameisen von Blattläusen ernährt, kann es helfen, Blattläuse gezielt zu bekämpfen, um eine Nahrungsquelle zu entziehen.
  • Wenn der Ameisenbefall an Mülltonnen (insbesondere der Biotonne) vorkommt, sollte man die Tonnen waschen und unten einen Schutzrand (inklusive Räder) einsprühen. Dafür gibt es im Fachhandel frei verkäufliche Ameisen-Bekämpfungsmittel.
  • Sind die Löcher eindeutig zu identifizieren, aus denen die Ameisen herausströmen, sollten diese versiegelt, also zum Beispiel zugespachtelt werden.
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