Nürtingen aktuell
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Bewegung, Gespräche, Begegnungen
Erstelldatum16.07.2025
Bewegung, Gespräche, Begegnungen
Das Gefühl der Einsamkeit kann alle und jederzeit treffen. Ob es aufgrund einer Krankheit ist, nach dem Verlust eines Partners oder einer Partnerin, nach finanziellen Einschnitten oder in neuen Lebensphasen wie dem Eintritt ins Rentenalter. Es entsteht, wenn die eigenen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Der empfundene Mangel kann sich dabei sowohl auf die Zahl der Kontakte als auch auf die Tiefe und Enge der Bindungen beziehen. Die Corona-Pandemie verstärkte dieses subjektive Gefühl und aufgrund des demografischen Wandels erhält dieses Thema wachsende gesellschaftliche Relevanz. Die Bundesregierung hat daher im Dezember 2023 eine Strategie gegen Einsamkeit beschlossen, um zielgenaue Maßnahmen zur Bekämpfung der zunehmenden Einsamkeit vom Kindesalter bis zu den älteren Menschen zu entwickeln.
„In Nürtingen ist es unser Ziel, Raum und Möglichkeiten für Begegnungen zu schaffen. Wir wollen damit gesellschaftlicher Isolation mit niederschwelligen Angeboten begegnen und Bürgerinnen und Bürger gleich welchen Alters die soziale Teilhabe ermöglichen, welche die Lebensqualität maßgeblich beeinflusst“, erklärt Bürgermeisterin Annette Bürkner.
In einem ersten Schritt lud die Stadt am 21. Mai dieses Jahres zu einem Fachtag ein. Über 100 Teilnehmende verschiedener Beratungsstellen und Einrichtungen konnten sich dort über bestehende Projekte und Angebote in der Region informieren, vernetzen und über die verschiedenen Aspekte sowie die Situation in Nürtingen diskutieren. Daraus ist ein erstes Projekt entstanden, das Menschen buchstäblich in Bewegung bringen und dabei den gegenseitigen Austausch fördern soll.
Der Nürtinger Bürgertreff lädt zu zwei geführten „Schwätzbänkle-Rundgängen“ entlang des Neckarufers ein. Am Donnerstag, 28. August dreht sich beim ersten Rundgang alles rund um das Thema Achtsamkeit. Entspannungstherapeutin Hilde Birkmaier, die auch Mitglied des Stadtseniorenrates ist, begleitet die Teilnehmenden auf dem knapp zwei Kilometer langen Spaziergang entlang des Neckars bis zum neu angelegten Seitenarm am Millot. Die Teilnehmer erfahren dabei etwas über achtsames Gehen, Baumbegegnungen oder Naturbeobachtung. Unterwegs kann an den Schwätzbänkle kurz Rast gemacht und werden, was den Teilnehmenden gleichzeitig Gelegenheit gibt, sich auszutauschen. „Der Rundgang ist voller schöner Ausblicke, ruhiger Momente und wohltuender Bewegung – ideal zum Genießen und Auftanken“, erläutert Hilde Birkmaier. Er dauert ca. 1,5 Stunden und beginnt um 16 Uhr am Stadtmuseum.
Der zweite Rundgang auf derselben Route befasst sich am Donnerstag, 4. September mit dem Thema Ehrenamt. Stadtführerin Heike Neu und Silvia Sollner vom Bürgertreff informieren die Teilnehmer an mehreren Stationen, wie man sich in Nürtingen ehrenamtlich engagieren kann und was dabei zu beachten ist. Außerdem wird ein Einblick in die Praxis gewährt: Zwei Teilnehmerinnen des Rundgangs sind selbst engagiert und werden vor Ort von ihrem Ehrenamt und ihren Erfahrungen erzählen. Bevor die Tour um 16.15 Uhr startet, können sich die Teilnehmer bereits ab 15.30 Uhr mit Kaffee und Kuchen im Café Regenbogen stärken und dabei bereits ins Gespräch kommen.
Zu beiden Terminen ist eine Anmeldung im Bürgertreff Nürtingen erforderlich (Tel.: 07022/75-369 oder per Mail unter: buergertreff@nuertingen.de).
Wenn die Spaziergänge auf entsprechende Resonanz stoßen, sollen sie künftig regelmäßig angeboten und nach Möglichkeit auch erweitert werden. „Mit diesen Touren verbinden wir mehrere Komponenten, um Einsamkeit entgegenzuwirken. Wir bringen Menschen nicht nur zusammen, sondern auch in Bewegung an der frischen Luft und regen zum gegenseitigen Austausch an. So bleiben Körper und Geist rege“, führt Bürgermeisterin Bürkner aus.
Die Idee zu den „Schwätzbänkle“ kam ursprünglich über den Landesseniorenrat nach Nürtingen. Hilde Birkmaier und Ute Altenburger vom Nürtinger Stadtseniorenrat gaben den Impuls, diese Idee in Kooperation mit dem Bauhof der Stadt Nürtingen und mit Unterstützung des Nürtinger Unternehmens Nagel umzusetzen. Das erste Bänkle dieser Art wurde im Herbst 2021 vor dem Stadtmuseum eingeweiht und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es 46 solcher „Schwätzbänkle“ in Nürtingens Kernstadt und den Ortsteilen. Sie sollen Menschen aller Generationen zu Gesprächen animieren und sind bereits in zahlreichen Kommunen Baden-Württembergs wie Freiburg, Ulm, Schwäbisch Hall oder Radolfzell vorhanden. Eine Besonderheit der Nürtinger Schwätzbänkle ist die Armlehne, welche älteren Personen das Aufstehen erleichtern soll.
15.07.2025