Deutsche Engagementpreis: Stadt Nürtingen

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Deutsche Engagementpreis

„Wir haben das Ding!“

Zur Freude über den Deutschen Engagementpreis gesellt sich in Nürtingen die Verpflichtung zum Weitermachen. Zehn Jahre nach der Auszeichnung zu Deutschlands bürgerorientierter Kommune Nummer eins lässt Nürtingen wieder bundesweit aufhorchen. Der Deutsche Engagementpreis, den Oberbürgermeister Otmar Heirich in Berlin entgegennahm, dokumentiert auch die Kontinuität, mit der Nürtingen das Thema Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung verfolgt.

VON UWE GOTTWALD

NÜRTINGEN. Je mehr gesellschaftliche Tendenzen zur Vereinzelung und zur Individualität auszumachen sind, umso lauter wird der Ruf, das Ehrenamt zu stärken. Preise für uneigennütziges Engagement gibt es mittlerweile nicht wenige, Anerkennung ist als wichtige Stütze des Ehrenamtes entdeckt worden. „Es fehlte bisher aber die Königsklasse“, so Professor Dr. Hans Fleisch am Samstag im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags in Berlin zur Begründung des erstmals verliehenen Deutschen Engagementpreises.

Der Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen sieht den Preis als Wertschätzung dessen, was oft als selbstverständlich erwartet werde und doch nur deshalb zustande komme, weil es immer wieder Menschen mit Idealen und Ideen gebe. Dass alle größeren Wohlfahrtsverbände und das Bundesfamilienministerium hinter dieser Preisverleihung stünden, verdeutliche die große gesellschaftliche Bedeutung dieses Engagements.

Dietmar Meister sieht Bürgerengagement als ein noch zu wenig genutztes Potenzial, um auf gesellschaftliche Fragen wie zum Beispiel Überalterung und Pflegenotstand Antworten zu geben. „Um dieses Potenzial zu aktivieren, braucht es aber auch eine Infrastruktur, die wir als großes Versicherungs- und Dienstleistungsunternehmen unterstützen wollen“, so der Vorstandssprecher der Generali Deutschland AG. Gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, könne er als Wirtschaftsunternehmen nur empfehlen, werde es doch mit Vertrauen zurückbezahlt.

Der Kabarettist und gelernte Mediziner Dr. Eckart von Hirschhausen verordnete von der Bühne herab gesellschaftliches Engagement schlichtweg jedem, denn: „Wer sich engagiert, lebt länger.“ Er hält es für wichtig, Engagierten Mut zu machen und ihnen zu sagen, „dass sie nicht die Deppen der Nation und nicht alleine sind“. Zu lamentieren, die Gesellschaft werde immer egoistischer, sei der falsche Weg. „So wirkt das wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.“ Der mutlosen Behauptung, ein Einzelner könne nichts bewirken, setzt er entgegen: „Wer das meint, hat noch nie mit einem einzelnen Moskito in einem Zelt übernachtet.“ Sein Plädoyer an Wirtschaft und Politik: „Steckt Geld nicht in Abwrackprämien, sondern in Engagementprojekte.“

Diesen Weg zu gehen, versucht Nürtingen seit Langem. „Wir wollten uns nicht auf dem Bertelsmann-Preis für die bürgerorientierte Kommune ausruhen. Vielmehr war es uns Ansporn und Verpflichtung, Strukturen für Ehrenamt und Bürgerbeteiligung zu schaffen“, betont Bürgertreffleiter Hannes Wezel, der Kopf des Nürtinger Bürgerengagements.

Neben Ressourcen braucht es aber auch den Willen bei allen Beteiligten, sich auf einen Kommunikationsprozess einzulassen, in der Bürgerschaft ebenso wie in Verwaltung und Gemeinderat. So hob Jacob Schrot, Gewinner des mit dem ZDF ausgelobten Wettbewerbs „Jugend debattiert“, als Laudator für die Nürtinger Preisgewinner auch den Demokratiegedanken der Bürgerbeteiligung hervor, wofür es die Auszeichnung in der Kategorie Politik und Verwaltung gab. Schrot nannte die Bürgerforen in Nürtingen, in denen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Vertretern der Verwaltung und des Gemeinderats mit Themen des Gemeinwesens befassen und bei der praktischen Umsetzung von Lösungen mitwirken wollen. Auf die Eigeninitiative hob auch der gebürtige Kirchheimer Sprachkünstler Timo Brunke in seinem rasanten und mit Wortspielen und Lautmalereien gespickten Beitrag ab: „Partizipation ist das Schlagwort der Zukunft, jedoch nicht verstanden als Wunschzettel der Bürger an ihre Stadt. Vielmehr greift Plan B: Beteiligt euch an der Lösung!“ Und der Schauspieler Walter Sittler, unter anderem bekannt aus der preisgekrönten Serie Nicola mit Mariele Millowitsch, sagte, wie es geht: „Jeder kann mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten, seinem speziellen Können und seinen Mitteln dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu machen.“

Das Nürtinger Konzept beeindruckte nicht nur die Jury, beim anschließenden Stehempfang war Oberbürgermeister Otmar Heirich ein gefragter Gesprächspartner. Doch musste er einen Sozial-Bürgermeister einer größeren deutschen Stadt, der ein zunehmendes Konfliktpotenzial zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft ansprach, enttäuschen: „Es gibt kein Patentrezept, außer dass wir ein kontinuierliches Angebot machen. Daraus müssen sich Lösungen entwickeln, doch auf dem Weg dahin gibt es immer wieder ein Auf und Ab.“ Einen wichtigen Schritt, diesen Demokratie fördernden Prozess noch verbindlicher zu machen, sieht Heirich darin, die Rahmenbedingungen in der Hauptsatzung der Stadt zu verankern. „Daran arbeiten wir im Moment“, so der Oberbürgermeister. Zum Preis war Heirich wichtig: „Er gebührt allen engagierten Bürgern unserer Stadt.“ Mit ihnen soll deshalb im neuen Jahr in der Nürtinger Glashalle gebührend gefeiert werden.

Weitere Gruppen in Beteiligungsprozesse einbinden
Hannes Wezel, Leiter der Nürtinger Geschäftsstelle für Bürgerengagement, freut sich zunächst mal mit den Worten von Torwart-Legende Oliver Kahn: „Wir haben das Ding!“ Sein Augenzwinkern ist jedoch nicht zu übersehen, geht es ihm doch nicht um den einmaligen Erfolg sondern um einen nachhaltigen Prozess. Und er hat neue Ziele im Visier: „Die Bürgergesellschaft muss sich noch stärker der Herausforderungen wie Armut und Überalterung annehmen.“ Wichtig für den Diplompädagogen wird dabei sein, diese Gruppen verstärkt für den Beteiligungsprozess zu gewinnen. Als gutes Beispiel nennt er die Tafelläden: „Dort engagieren sich schon Betroffene und bringen ihre Potenziale für andere Betroffene und nicht zuletzt für sich selbst zur Geltung.“

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