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Hölderlin & Nürtingen

Hölderlin & Nürtingen

Heimzugehn, wo bekannt blühende Wege mir sind, dort zu besuchen das Land und die schönen Tale des Neckars...

Hölderlin und Nürtingen

Für Hölderlin, der seine ersten Lebensjahre in Lauffen verbrachte, war Nürtingen Heimatstadt und Vaterstadt zugleich. 1774 kam er als Vierjähriger nach Nürtingen. Seine Mutter hatte sich nach dem Tod ihres ersten Mannes hierher verheiratet. Halt fand Hölderlin an seinem Stiefvater Johann Christoph Gok, der Weinhändler und Nürtinger Bürgermeister war. Doch auch diese Vaterfigur starb bereits fünf Jahre später.

Dort, wo der ehemalige Schweizerhof in der Neckarsteige einst stand und, nachdem er abgebrannt war, auf den Kellermauern das sogenannte ›Hölderlinhaus‹ erbaut wurde, war 24 Jahre lang das Wohnhaus der Familie. 1798 zog sie ins Breunlin’sche Haus gegenüber der Stadtkirche, heute Kirchstraße 17, um. Die Mutter Johanna Christiana, die ihren Sohn weitaus lieber auf einer Pfarrstelle gesehen hätte anstatt als ruhelosen Dichter, lebte bis zu ihrem Tod 1828 in Nürtingen. Hölderlin besuchte hier die Lateinschule, wo er den um einiges jüngeren Schelling, mit dem er später in Tübingen auf dem gleichen Zimmer wohnen sollte, vor böswilligen Mitschülern schützte. Als geübter Wanderer erkundete er mit seinem Halbbruder Karl die Nürtinger Umgebung. ›Der Winkel von Hardt‹ etwa und ›In lieblicher Bläue‹ zeigen Spuren dieser Aktivitäten. In letzterem Text beschreibt er auch das metallene Dach der Nürtinger Stadtkirche St. Laurentius, in der er konfirmiert wurde.

Hölderlin blieb seiner Heimatstadt lebenslang verbunden. Bis 1804 kehrte er – trotz des ambivalenten Verhältnisses zu seiner Mutter – immer wieder hierher zurück. In Nürtingen schrieb oder überarbeitete er zahlreiche seiner Werke: den Roman ›Hyperion‹ z.B. und die ›Nachtgesänge‹ mit seinem wohl bekanntesten Gedicht ›Hälfte des Lebens‹. Hölderlin selbst besaß zeitlebens das Nürtinger Bürgerrecht – auch während der 36 Jahre im Tübinger Turm. Nachdem seine Mutter 1828 gestorben war, verwalteten von der Stadt Nürtingen bestellte Pfleger sein Vermögen. Die Lebensumstände dieser Jahre sind in den vom Nürtinger Stadtarchiv verwahrten Pflegschaftsakten eindrucksvoll dokumentiert. Auch wenn Nürtingen namentlich in keinem seiner Gedichte genannt wird, prägte die Stadt samt ihrer Umgebung vom Neckar bis zur Schwäbischen Alb Hölderlins Texte wie kaum eine andere.

Blicke meinem lieben Nürtingen zu...

Friedrich Hölderlin (1770 - 1843) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker und gehört zu den meistübersetzten Dichtern der Welt. Seine Heimatstadt Nürtingen hat ihm – initiiert und gestiftet vom Rotary Club Kirchheim/Teck-Nürtingen – mit einer lebensgroßen Bronzestatue des Bildhauers Professor Waldemar Schröder ein Denkmal gesetzt. Die Einweihung fand am 8. Oktober 2017 statt. Als Statue steht der junge Hölderlinam Steinachdreieck (Alleenstraße / Salemer Hof) unweit des Neckars mit Blick auf die Nürtinger Altstadt. An dieser Stelle besteht eine Nähe oder Sichtbeziehung zu einigen markanten Orten in Hölderlins Leben: diesseits des Neckars die Stadtkirche, wo er konfirmiert wurde, und die alte Lateinschule, wo er gemeinsam mit dem jüngeren Schelling zur Schule ging. Jenseits des Neckars blickt man auf das Gelände, wo sich einst der große Baum-, Gras- und Küchengarten der Familie Hölderlin-Gok befand, in dem der junge Hölderlin „Stunden des Spiels und des Ruhelächelns“ verbrachte.

CD: Härtling liest seinen Hölderlin

Nürtingen – Heimatstadt Friedrich Hölderlins!

Peter Härtling liest aus seinem 1976 erschienenen Buch „Hölderlin. Ein Roman“ sowie Gedichte Friedrich Hölderlins. Die ausgewählten Romanpassagen bezeugen die Verbindung Hölderlins mit der Stadt, in der Peter Härtling zwei Jahrhunderte später den Spuren Hölderlins nachgeht.

Mit Musik von Luigi Boccherini und Lillian Fuchs. Eine Produktion der Stadt Nürtingen in Zusammenarbeit mit der Hölderlin-Gesellschaft (2010).

Erhältlich im Nürtinger Buchhandel und beim Kulturamt der Stadt Nürtingen.

Preis:13,90 € (evtl. zzgl. Versandkosten)

Hölderlin-Abteilung in der Stadtbücherei Nürtingen

Interessierte finden in der Stadtbücherei nicht nur Lesestoff von und über Friedrich Hölderlin, sondern auch Filme und Hörbücher. Mehr Infos gibt es HIER.

„Lieber! Was wäre das Leben ohne Hoffnung?
Ein Funke, der aus der Kohle springt und verlischt,
und wie man bei trüber Jahreszeit einen Windstoß hört,
der einen Augenblick saust und dann verhallt, so wäre es mit uns? …
Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte.“
Aus: Hyperion

Hölderlin anderswo begegnen!

Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA): dla-marbach.de

Hölderlinstädte

Landesbibliothek Stuttgart- Hölderlinarchiv: wlb-stuttgart.de

Die Stadt Nürtingen ist Mitglied in der Hölderlin-Gesellschaft:

hoelderlin-gesellschaft.de

Kontakt & Informationen
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