Maientagsgedicht: Stadt Nürtingen

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leuchtend.
In der Adventszeit sorgt der Weihnachtsmarkt für leuchtende Momente.
leuchtend.
In der Adventszeit zeigt sich Nürtingen von seiner leuchtenden Seite.
lebendig.
In über 200 Vereinen garantieren Zwei- wie Vierbeiner für abwechslungsreiche und manch tierische Begegnungen.
entdeckenswert.
Römer und Kelten besiedelten einst das Nürtinger Gebiet. Noch heute sind Spuren von ihnen sichtbar.
sehenswert.
Das Stadtbild Nürtingens und seiner Stadtteile ist durch zahlreiche Brunnen geprägt. Bei einem gemütlichen Stadtbummel eröffnen sich manch neue Perspektiven darauf.
bewegend.
Badespaß im Freibad, gemütlicher Einkaufsbummel oder Tagesausflug ins nahe Grün der Umgebung: Nürtingen ist ein idealer Ausgangspunkt für die sommerliche Freizeitgestaltung.
entspannend.
Einkaufen, Schlemmen, der nachmittägliche Kaffee mit Kuchen oder die Kugel selbst gemachtes Eis: In Nürtingens Zentrum können Sie all das ohne die Hektik einer Großstadt genießen.
lebendig.
Badespaß im Freibad, gemütlicher Einkaufsbummel oder Tagesausflug ins nahe Grün der Umgebung: Nürtingen ist ein idealer Ausgangspunkt für die sommerliche Freizeitgestaltung.
sehenswert.
Vom Turm der 48 Meter hohen Stadtkirche St. Laurentius bietet sich ein Panoramablick über die Stadt, das Neckartal und den Albtrauf.
zentral.
Das Rathaus und das Technische Rathaus mit dem Riegerhaus sind zentrale Anlaufstellen und offen für alle Belange der Bürgerinnen, Bürger sowie Besucher unserer Stadt.
sehenswert.
Zahlreiche lauschige Winkel warten darauf, von Ihnen entdeckt zu werden.
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Nürtingen für
Maientagsgedicht

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Maientagsgedicht von Harald Schmidt

Maientag
Amerika hat den Tag der Unabhängigkeitserklärung,
Paris den Sturm auf die Bastille
und Nürtingen den Maientag.

Am Maientag regnet es. Meistens.
Oder es fängt an zu regnen,
kurz nachdem der Umzug losgegangen ist.
Oder das Wetter hält grad noch,
bis der Umzug fertig ist.
Oder es gießt am Abend vorher,
beim Maientagssingen der Schulen
im Hof der Stadthalle wie aus Kübeln,
und am nächsten Morgen ist das schönste Wetter.

Was koiner denkt het.
Beim Maientagssingen
sind nicht ganz so viele Leute da
wie später im Festzelt oder beim Boxautofahren,
aber alle singen am Schluss
"Geh' aus mein Herz und suche Freud".
Hier ist allerdings nicht die Rede
vom Wiener Erfinder der Psychoanalyse,
(Kalauer, wird in den Hausaufsätzen der
Hölderlinstadt normalerweise nicht geduldet!) sondern es handelt sich um
eine Art Nürtinger Nationalhymne.

Der Fremdling staunt vor allem bei den Zeilen
Narzissen und die Tulipandie fühlen sich viel schöner an
als Salomonis Seide,
über die Artikulation der
"a" in "Tulipan" und "schöner an",
eine Mischung aus a, o und Stöhnen,
die für den Nicht-Nürtinger
(Reigschmeckten) nicht erlernbar ist.
Am Vormittag haben die Schulkinder
zu meiner Zeit drei Brezeln
und eine Mark erhalten,
finanziert aus den Zinsen eines Nürtingers, der "in Amerika reich worra isch".

Am Maientag selberherrscht auf gut Schwäbisch heileif.
Ab sechs Uhr morgens ist bei den
Damenfriseuren keine Trockenhaube
mehr frei, feinsinnige Mitbürger
werfen einen besorgten Blick gen Himmel,
die Schüler denken"Hoffentlich fangts net a zom schiffa".
Gegen zehn Uhr nimmt der Festzug
an der Stadthalle Aufstellung.

Die Klassiker im Zug sind
"Stadtbrand", Rulaman, Stadtgarde
und Stadtkapelle.
Diese Abteilungen des Festzuges
stellen historisch bedeutende
Nürtinger Ereignisse oderPersönlichkeiten dar.
Wer als Schüler in der Stadtgarde
mitmarschieren will,
muss mindestens einen Meter siebzig groß sein.
Dies gilt nicht nur für die Honoratioren,
die früher selbst im Zug mitgelaufen sind
und heute wie alle Honoratioren von einer schlichten Holztribüne aus die
Parade abnehmen.

Bei den Teilnehmern begehrte Gruppen
im Zug sind weiterhin die Radfahrer,
die zwischen die Speichen ihrer Räder
bunte Papierbänder gezogen haben,
sowie die Maientagstrommler,
die sich mit fleißigem Üben
während des gesamten Jahres
auf den Maientag vorbereiten.
In ihrer Nachbarschaft entsteht
häufig billiger Wohnraum.
Dann marschiert der Zug los,
Brunnsteige, Alleenstraße, Schillerplatz, Neckarsteige, Festplatz.
Früher war der Festplatz auf der Schreibere, wo heute das Hallenbad steht.

Seit dessen Bau feiert man direkt
am Neckar in Oberensingen.
Oberensingen ist ein traditioneller Stadtteil,
so wie in anderen Städten
Harlem oder Pöseldorf.
Natürlich haben sich die Oberensinger
ihre unverwechselbare Identität bewahrt.
Sie heißen "Sandhasen".
Die Nürtinger heißen "Stricknadeln",
wegen ihrer blühenden Strickwarenindustrie.
Auf dem Sportplatz neben dem Festzelt
finden im Anschluss an den Umzug
Tänze statt, die Sportlehrerinnen mit ihren
Schülerinnen einstudiert haben.
Hava nagila war früher der Hit.
Unter den Zuschauern überwiegen Mütter, Omas, Väter mit Videokameras
und verknallte Mitschüler.
Manchmal sieht man auch Mütter
und Omas mit einer Lanze und einem Helm
oder einer Trommel in der Hand.
Do, heb mol gschwend.

Der Maientagstrommler oder Stadtgardist
ist verschwunden, in der Geisterbahn,
auf dem Kettenkarussell, und die Oma
darf den ganzen Nachmittag auf die kostbaren Requisiten aufpassen.
Sollte es jetzt wider Erwarten regnen,
gibt es im Zelt keinen freien Platz mehr.
Wenn nicht, dann auch nicht.
Die Stadtkapelle spielt "Rosamunde"oder "Tulpen aus Amsterdam",
und manchmal dirigiert ein Großkopferter,
vorausgesetzt, er hat für alle Musiker eine Runde bezahlt.
Prostprostkamerad, prostprostkamerad...Griaß Gott, Herr Doktr...
so semmr au bsoffa?

Die Dunkelheit macht den Toilettenwagen überflüssig.
So, no gammr hoim.-Oma, wo isch mei Drommel?-
Wo sen meine Audoschlissl?
Was hoißt in meim Zustand nemme fahra?
Laufa ka i jo nemme, hahaha...Schee wars.
Mr braucht halt jeds Johr meh Geld.
Ond Glick hemmr ghet middam Weddr.
Kommat guat hoim.


Ade ...geh aus mein Herz ...


(Verfasst anlässlich der Heimattage Baden-Württemberg, die 1989 in Nürtingen stattfanden.)

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