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Sportfest auf und um den Wochenmarkt

  

Viele Nürtinger legten sich für die „Mission Olympic“ begeistert ins Zeug – Bewegungsatlas soll entstehen

  

Zählt Nürtingen zu den fünf aktivsten Städten Deutschlands? Eins scheint klar: Wenn es nicht ins Bundesfinale der „Mission Olympic“ reicht, dann lag das auf keinen Fall am mangelnden Einsatz derer, die sich da am Samstag während vier Stunden rund um die Kreuzkirche gewaltig ins Zeug legten.

  

VON JüRGEN GERRMANN

  

NÜRTINGEN. „Die Nürtinger in Bewegung zu versetzen, sie mitten aus dem Marktgeschehen herauszuholen und Aktivitäten zu entfalten“ – dieses von Bürgertreff-Leiter Hannes Wezel und Bärbel Igel-Goll vom Stabsteam des Oberbürgermeisters ausgegebene Ziel wurde auf jeden Fall ungeachtet des Urteils der Juroren der „Mission Olympic“ auf höchst beeindruckende Weise erreicht.

  

Auf und um den Wochenmarkt wurde mitten im Alltagstrubel ein Sportfest gefeiert. Und die Leute ließen sich mit Begeisterung aus der Routine herausreißen. Als zum Beispiel Hannes Wezel mit dem mobilen Tischfußballspiel aus dem Spielmobil des Kinder- und Jugendreferats der Stadt (mit dem Stefan Felder-von Hahn und Dieter Runk vor dem K3N enormen Zulauf hatten) über den Wochenmarkt zog, da hatte er nicht die geringsten Probleme, zwischen den Ständen mit Obst, Gemüse und sonstigen Leckereien Mitspieler zu finden – vom kleinen Kind bis zum Bundestagsabgeordneten (Rainer Arnold) waren alle sofort mit Feuereifer mit von der Kick-Partie.

  

Rose Lorch war eine perfekte Animateuse für das Tauziehen an der Abzweigung zum Obertor. Und das Torwandschießen bei der Volksbank entwickelte natürlich auch regelrecht magnetische Anziehungskraft.

  

Gleich zwei Slacklines gab es im Kreuzkirchpark. Früher sagte man vermutlich „Seiltanzen“ dazu, aber wenn es einen englischen Namen hat, scheint es der Jugend einfach doppelten Spaß zu machen. Wie dem auch sei: Die Profis vollführten da beim HöGy höchst beachtliche Kunststücke, die Anfänger konnten sich bei der SpV 05 an einem Hilfsschnürle entlanghangeln, wenn es gar zu wacklig wurde.

  

Den Menschen in Bewegung gefiel das vielfältige Programm so, dass plötzlich jemand spontan sagte: „Eigentlich hätte ich jetzt so richtig Lust auf Gummi-Twist!“ Für Karin Lanz-Schwarz war das keinerlei Problem. Sondern eher Inspiration. Sofort flitzte sie los und kaufte in der Innenstadt ein paar Meter Hosengummi. So flexibel sind die Nürtinger halt.

  

Das müssen sie auch sein. denn es ist keineswegs so, dass man monatelang Zeit gehabt hätte, sich auf diese zweite Runde der „Mission Olympic“ vorzubereiten. Das tolle Programm musste in ganzen acht Tagen aus dem Nürtinger Boden gestampft werden. So sind nun mal die Regeln. „Das war eine große Herausforderung, aber ich finde, wir haben sie ganz gut gemeistert“, strahlte Bärbel Igel-Goll, als alles rund um die Kreuzkirche auf Hochtouren lief.

  

Von Treppenläufern bis zum Gendai Budo

Damit hatte sie eher untertrieben. So viele Vereine und Organisationen ließen sich für diese sportliche Mission begeistern, dass es völlig unmöglich ist, sie hier alle aufzuzählen. Aber alle hatten sie ihren Anteil an dem Erfolg. Denn das war die Aktion zweifelsohne, ganz egal, ob der Sprung ins Finale gelingt oder nicht.

  

Eine Freude, mit wie viel Kindern da zum Beispiel die Reuderner Mountainbiker herumtobten! Auch die Bogenschützen waren ständig umlagert. Barbara Kurz und Thomas Bachmann von der TGN unternahmen mit Groß und Klein eine Gratwanderung zwischen Turnen und Akrobatik.

  

Heike Witzel-Wilhelm weihte die Leute vor der Kreuzkirche in eine vielen völlig neue Bewegungsart ein: Qi-Walking. Was das ist? „Eine neue Kombination aus dem modernen Nordic Walking und dem uralten chinesischen Qi Gong. Kein ,Schneller, Höher, Weiter‘, sondern durch die sanften Bewegungen wird einem der Gehrhythmus wieder bewusster. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, dann merkt man, wie der Körper locker wird. Und es macht ganz einfach Spaß“, schwärmt sie.

  

Doch nicht nur das – was am Samstag auf und um den Wochenmarkt geboten wurde, fließt in die Bewertung der Jury ein. Und daher waren auch fünf Bürgermentoren unterwegs, um herauszufinden, ob es freie Initiativen mit Sporthintergrund in der Stadt gibt und welche. Die Blätter mit den Ergebnissen füllen schon jetzt eine beeindruckend dicke Mappe: Auf mehr als 50 Aktivitäten stieß man bei der Umfrage.

  

Hausfrauen, die sich zum Nordic Walking treffen, sind ebenso unter den Kandidaten wie Frühschwimmer im Freibad, die Treppenläufer der Turmwächter von St. Laurentius, die, die sich bei der ehrenamtlichen Pflege Nürtinger Grünanlagen den Buckel krumm machen, oder das in Neckarhausen gepflegte Gendai Budo, eine aus Japan stammende Kampfkunst, mit der Körper, Seele und Geist in Einklang miteinander gebracht werden sollen.

  

All dies fließt in einen Nürtinger Bewegungsatlas ein, der Teil der Bewerbung fürs Finale ist. Aber noch mehr als das: Die Erkenntnisse daraus sollen auch weiterhin einen hohen Stellenwert behalten. Hannes Wezel: „Egal, wie das nun konkret ausgeht – wir wollen dran bleiben.“ Da ist der Marathon-Mann des bürgerschaftlichen Engagements in Nürtingen eben ganz Olympionike: Dabei sein ist alles. Im Miteinander. Denn dann gewinnen alle.

  

Weitere sportliche Aktivitäten privater Art können noch bis 15. Oktober bei Bärbel Igel-Goll, Telefon (0 70 22) 75-237, über E-Mail mission.olympic@nuertingen.de oder unter www.nuertingen.de gemeldet werden.

  

  

Basketball macht auch vor dem K3N Spaß.

Tauziehen mitten im Marktgeschehen: Nürtingen stand am Samstag im Zeichen der „Mission Olympic“. Foto: Holzwarth
Quelle: © Nürtinger Zeitung vom 11.10.2010