Bürgerschaftliches Engagement für jedermann
Auch Menschen am Rande der Gesellschaft sollen ins Ehrenamt einbezogen werden
NÜRTINGEN (pm). Fast jeder zweite Bürger in Nürtingen engagiert sich in irgendeiner Form ehrenamtlich. Aber ist Bürgerengagement auch jenen möglich, die am Rande der Gesellschaft stehen? In einer Pressemitteilung weist die Geschäftsstelle für Bürgerengagement der Stadt Nürtingen auf die nächste Nürtinger Sozialkonferenz hin, die am Freitag, 11. Juni, von 9.30 bis 16 Uhr dieser Frage nachgeht. Die Sozialkonferenz wolle Strukturen schaffen, damit auch sie ehrenamtlich tätig sein können.
„Wenn der Mensch nichts für die Gemeinschaft tun und gestalten kann, dann fühlt er sich wertlos“, versichert Dr. Peter Czisch, Chefarzt der Tagesklinik im Schlössle in Oberensingen, eine Einrichtung der Samariterstiftung, die einer der Kooperationspartner der Geschäftsstelle für Bürgerengagement ist.
Für die Kooperationspartner der Sozialkonferenz ist augenfällig: je mehr Staat, Land und Kommunen in die wirtschaftlichen Zwänge geraten und viele ihrer originären Aufgaben nicht mehr wie bisher erfüllen können, umso mehr ist bürgerschaftliches Engagement notwendig. Dabei gehe es nicht darum, entstandene Lücken zu stopfen, sondern Neues zu initiieren. Bislang hätten jene Gutes getan, bei denen es gleichsam zum guten Ton gehöre, sich sozial zu engagieren. Jetzt sollen auch solche Menschen sich einbringen, die selbst auf Hilfe angewiesen sind. „Ich engagiere mich gern, weil ich dann noch zu was nutze bin und aus meinem Elend mal rauskomme“, sagt eine 42-Jährige, die nicht genannt werden möchte, weil sie selbst regelmäßig bei der Tafel einkauft. Vor zwei Jahren ist ihr aus betriebswirtschaftlichen Gründen gekündigt worden.
„Gemeinschaftliche Arbeit, Zusammenarbeit ist die Erfolgsgeschichte der Menschen und hat uns vorwärtsgebracht. Dabei spielt die soziale Belohnung, also Lob, Anerkennung von außen eine große Rolle“, sagt Bürgermeister Rolf Siebert. Das meint er für Gesunde wie für Kranke, Menschen auf der Sonnen- oder Schattenseite des Lebens. An Letztere richtet sich die Einladung zur Sozialkonferenz. Ob Erwerbslose, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Einschränkungen, sie alle sollen über ihr ehrenamtliches Engagement zum Teil der ganzen Gesellschaft werden. Sie sollen Freunde finden, Wert haben und Lob hören.
Fachkräfte aus Verwaltung, Wirtschaft und Industrie, die mit sozialer Verantwortung zu tun haben, sind ebenso zur Sozialkonferenz eingeladen wie Interessierte aus Politik und Gesellschaft. Gern gesehene Gäste sind alle Betroffenen. Sie können in zwei Ideen-Werkstätten ihre Bedürfnisse vorbringen, schauen, wie die Hilfsangebote aussehen müssten, damit auch sie selbst daran aktiv teilnehmen könnten. Unter fachkundiger Moderation werden an diesem Tag nicht nur theoretische Konstrukte diskutiert. „Wir sind daran interessiert, sehr konkret festzuhalten, was in der Praxis geschehen kann. Es ist unser Ziel, möglichst viele Menschen zu motivieren, damit sie sich künftig ehrenamtlich engagieren“, sagt Hannes Wezel, Leiter der Geschäftstelle des Bürgerbüros Nürtingen. So ging eine der Nürtinger Stadtteilinitiativen, die heute noch aktiv ist, aus der Sozialkonferenz zum Thema „Migration“ hervor.
Die Nürtinger Sozialkonferenz findet am Freitag, 11. Juni, von 9.30 bis 16 Uhr in den Räumen der Samariter-Stiftung in Oberensingen statt.
Quelle: © Nürtinger Zeitung vom 05.06.2010